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Was ist ein MVP — und welche Typen es gibt

Minimum Viable Product richtig verstanden: nicht die halbe Lösung, sondern das schnellste Experiment zum Lernen.

productmvpprocess

MVP steht für Minimum Viable Product — das kleinstmögliche Produkt, mit dem sich eine zentrale Annahme am Markt überprüfen lässt. Der Begriff wird oft falsch verstanden: ein MVP ist kein abgespecktes Endprodukt und keine Ausrede für schlechte Qualität. Es ist ein Experiment.

Die richtige Frage lautet nicht "was ist das Minimum, das wir bauen können?", sondern "was ist das Minimum, das wir bauen müssen, um etwas Echtes zu lernen?".

Viable, nicht nur Minimal

Die drei Worte sind alle wichtig:

  • Minimum — so wenig Aufwand wie möglich.
  • Viable — trotzdem brauchbar genug, dass jemand es tatsächlich nutzt und bewertet.
  • Product — es muss einen echten Wert liefern, kein Platzhalter.

Das berühmte Bild dazu: Wenn der Kunde ein Auto will, ist ein einzelnes Rad kein MVP — niemand kann damit fahren. Ein Skateboard schon. Es löst dasselbe Grundbedürfnis (von A nach B), wenn auch unvollständig, und liefert echtes Feedback.

Build — Measure — Learn

Ein MVP ist Teil einer Schleife, nicht ein einmaliger Wurf:

Gebaut wird nur so viel, wie nötig ist, um zu messen. Gemessen wird, um zu lernen. Gelernt wird, um die nächste Iteration zu steuern — oder die Idee zu verwerfen, bevor sie teuer wird.

Die verschiedenen Typen von MVP

Ein MVP muss nicht immer Code sein. Je nach Annahme, die getestet werden soll, gibt es unterschiedliche Formen — grob in zwei Familien.

Low-Fidelity: testen, ob das Problem real ist

Hier wird oft noch gar nichts gebaut. Ziel ist es, Nachfrage und Bedürfnis zu prüfen.

TypWas es istWofür
Landing PageEine Seite, die das Produkt beschreibt, plus "Anmelden"-ButtonMisst Interesse über Klicks und Sign-ups, bevor etwas existiert
Explainer VideoKurzes Video, das den Nutzen zeigtErklärungsbedürftige Ideen testen (so startete Dropbox)
Fake Door / ButtonEin Feature-Knopf, der nur "kommt bald" anzeigtMisst, ob ein Feature überhaupt geklickt wird
Piecemeal MVPAus bestehenden Tools zusammengesteckt (Forms, Zapier, Sheets)Schnell ein Erlebnis simulieren ohne Eigenentwicklung

High-Fidelity: testen, ob die Lösung funktioniert

Hier liefert man tatsächlich den Service — nur die Umsetzung dahinter ist minimal.

TypWas es istWofür
Concierge MVPDie Leistung wird manuell und persönlich erbrachtDen Service verstehen, bevor man ihn automatisiert
Wizard of OzVorne wirkt es automatisch, hinten arbeitet ein MenschAutomatisierung testen, ohne sie zu bauen
Single-Feature MVPEin echtes Produkt mit genau einer KernfunktionDen eigentlichen Lösungsweg validieren

Der Unterschied zwischen Concierge und Wizard of Oz: Beim Concierge weiß der Nutzer, dass ein Mensch hilft. Beim Wizard of Oz glaubt er, mit einem fertigen System zu interagieren — die Handarbeit bleibt verborgen.

Wie man den richtigen Typ wählt

Die Wahl folgt der riskantesten Annahme:

  1. Zweifelst du, ob das Problem überhaupt existiert? → Low-Fidelity (Landing Page, Fake Door).
  2. Glaubst du ans Problem, aber nicht an die Lösung? → Concierge oder Wizard of Oz.
  3. Sind Problem und Lösung plausibel und du willst Skalierbarkeit prüfen? → Single-Feature MVP.

Häufige Missverständnisse

  • "MVP heißt schlechte Qualität." Nein — viable schließt eine funktionierende, vertrauenswürdige Erfahrung ein. Reduziere den Umfang, nicht die Sorgfalt.
  • "Ein MVP baut man einmal." Es ist der erste Schritt einer Schleife, kein Meilenstein zum Abhaken.
  • "Mehr Features = sicherer." Jedes zusätzliche Feature verschleiert, was den eigentlichen Wert ausmacht, und verzögert das Lernen.

Ein gutes MVP ist unbequem klein. Genau das ist der Punkt: Es zwingt dich, früh herauszufinden, ob du auf dem richtigen Weg bist — solange ein Kurswechsel noch billig ist.